18.12.2017„Die Jugend muss sich entfalten können“ – TACHELES mit den Stadträten in Plauen Mitte

Dieter Rappenhöner

Am vergangenen Freitag tourten die beiden Stadträte Dieter Rappenhöner (Bündnis 90/Die Grünen) und Bernd Stubenrauch (SPD) durch das Plauener Zentrum, um Bildungseinrichtungen, Vereine und Kindertagesstätten zu besuchen – aber vor allem, um mit den Menschen vor Ort ins Gespräch zu kommen. Begleitet wurden sie von den beiden Landtagsabgeordneten Juliane Pfeil-Zabel (SPD) und Gerd Lippold (Bündnis 90/Die Grünen).

Der Tag begann um 9 Uhr mit einer Besichtigung der Kindertagestagesstätte Sonnenblume. Dort stand die Diskussion über die fehlende Vor- und Nachbereitungszeit für Erzieherinnen und Erzieher und der Betreuungsschlüssel auf der Tagesordnung. Katrin Ettrich, Leiterin der Einrichtung, machte auf das Problem aufmerksam, dass sie zu Elterngesprächen keinen Dolmetscher hinzuziehen kann. Ihre Einrichtung wird von 11 Kindern mit Migrationshintergrund besucht, deren Eltern zum Teil nicht über ausreichende Deutschkenntnisse verfügen. Durch die Sprachbarrieren könnten die Eltern nicht adäquat über die Entwicklungen ihrer Kinder informiert werden.

Die Stadtteilbeauftragten machten sich daraufhin auf den Weg in die Bahnhofsvorstadt. Bei der Begehung, an der Vertreterinnen und Vertreter der Wohnungsgenossenschaft und Wohnungsbaugesellschaft teilnahmen, fiel vor allem der schlechte Zustand des Fußweges zwischen dem Alberplatz und dem Oberen Bahnhof ins Auge. Dazu Bernd Stubenrauch: „Der Weg und die Anlage am Roten Würfel ist unansehnlich. Die Treppe zum Tunnel ist so marode, dass sie ein Unfallrisiko darstellt. An dieser Stelle muss die Stadt handeln, dafür werden wir uns als SPD/Grüne-Fraktion einsetzen.“ Zu einem ähnlichen kritischen Urteil gelangten die Fraktionsmitglieder bei der Begehung der Bahnhofstraße, die nach der Mittagspause folgte. „Der Bodenbelag der Fußgängerzone ist einem desolaten Zustand. Hier muss mal wieder etwas getan werden“, so Dieter Rappenhöner, der die Führung übernahm. Zugleich machte er auf die Lage der Einzelhändlerinnen und Einzelhändler auf der oberen Bahnhofstraße aufmerksam. Die Geschäfte könnten sich kaum über Wasser halten, weil die Laufkundschaft fehlt. Verantwortlich dafür seien die schlechte Begehbarkeit der Straße und die Parksituation.

Am Nachmittag wurde mit der Mobilen Jugendarbeit über die soziale Situation in der Innenstadt diskutiert. Im Zentrum des Gespräches stand die Berichterstattung und die öffentlichen Verlautbarungen des Oberbürgermeisters zur Kriminalität in der Innenstadt. Die Jugendlichen würden unter Generalverdacht gestellt werden. Juliane Pfeil-Zabel gibt die Kritik zu denken: „Die Jugendlichen fühlen sich in der Innenstadt nicht willkommen, weil sie als potentielle Täterinnen und Täter dargestellt werden. Sie fühlen sich beobachtet und vorverurteilt. Sie berichten davon, dass sie beständig kontrolliert und gemaßregelt werden. Sie empfinden das als bedrückend und wissen nicht, wo sie sich sonst aufhalten sollen. Das ist nicht akzeptabel: Die Innenstadt gehört uns allen, die Jugend muss sich entfalten können. Da kann es auch mal lauter zu gehen, dass macht das Zentrum einer Stadt aus. Freiheit und Sicherheit müssen in der Waage gehalten werden.“

Auch in der Staatlichen Studienakademie Plauen, die die Stadtteilbeauftragten und Landtagsabgeordneten am späten Nachmittag aufsuchten, wurde TACHELES geredet. Lutz Neumann, Rektor der Berufsakademie, sprach deutliche Worte über den Umgang des Freistaates mit seiner Einrichtung. Bernd Stubenrauch fasst die Situation am Nachmittag folgendermaßen zusammen: „Das Lehrpersonal und der Rektor wünschen sich eine Aufwertung der Berufsakademie. Sie bitten darum, dass sie als duale Hochschule anerkannt werden. Die derzeitige Bezeichnung würde das, was innerhalb ihrer Räumlichkeiten gelehrt und geforscht wird, nicht adäquat ausdrücken. Wir werden mit dem zuständigen Ministerium in Kontakt treten und uns für den – nachvollziehbaren – Wunsch einsetzen.“

Abgeschlossen wurde der Stadtteiltag mit einer Gesprächsrunde auf dem Plauener Weihnachtsmarkt, wo die Ergebnisse des Tages zusammengefasst und weitere Anliegen der Bürgerinnen und Bürger zur Bearbeitung aufgenommen wurden. Es handelte sich dabei bereits um den dritten Stadtteilrundgang der SPD/Grüne-Fraktion des Stadtrates der Stadt Plauen, die von den jeweiligen Stadtteilbeauftragten initiiert werden. Die Fraktion hat jeweils zwei Ansprechpartner für jeden Stadtteil benannt. Stadtteilbegehungen fanden in diesem Jahr bereits in Chrieschwitz und Plauen Nord statt. Die Rundgänge werden im kommenden Jahr fortgesetzt.




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